AI-Act-Konformität — Risikoklassen-Einstufung je Bot-Typ + Maßnahmen
Pflicht-Lektüre für DSB / Compliance-Lead vor Vertragsschluss. Bei Fragen: datenschutz@qognio.com

AI Act Konformitätsdokumentation

Verordnung (EU) 2024/1689 über harmonisierte Vorschriften für Künstliche Intelligenz (KI-Verordnung / AI Act)

Anbieter: fmhconsulting · Qognio — Finn Malte Hinrichsen Gärtnerstraße 105, 20253 Hamburg Stand: April 2026 Version: 1.0


Inhaltsverzeichnis

  1. EU AI Act — Überblick und Zeitplan
  2. Risikoklassifizierung der Qognio-Systeme
  3. Anforderungsmatrix Art. 9–17 AI Act
  4. Risikomanagement-System (Art. 9)
  5. Technische Dokumentation (Art. 11, Anhang IV)
  6. Logging und Nachvollziehbarkeit (Art. 12)
  7. Transparenzpflichten (Art. 13)
  8. Menschliche Aufsicht (Art. 14)
  9. Genauigkeit, Robustheit und Cybersicherheit (Art. 15)
  10. Konformitätsbewertung und EU-Konformitätserklärung
  11. Post-Market Monitoring Plan
  12. Handlungsplan bis August 2026

1. EU AI Act — Überblick und Zeitplan

1.1 Gegenstand und Ziel

Die Verordnung (EU) 2024/1689 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 13. Juni 2024 (im Folgenden „AI Act” oder „KI-Verordnung”) legt harmonisierte Vorschriften für die Entwicklung, das Inverkehrbringen, die Inbetriebnahme und die Verwendung von KI-Systemen in der Europäischen Union fest. Ziel ist es, ein hohes Schutzniveau in Bezug auf Gesundheit, Sicherheit und Grundrechte zu gewährleisten und gleichzeitig Innovation zu fördern.

Die Verordnung wurde am 12. Juli 2024 im Amtsblatt der Europäischen Union veröffentlicht und ist am 1. August 2024 in Kraft getreten.

1.2 Stufenweises Inkrafttreten

Datum Inhalt Relevanz für Qognio
01.08.2024 Inkrafttreten der Verordnung Beginn der Übergangsfristen
02.02.2025 Verbote (Art. 5) gelten Keine Auswirkung — Qognio betreibt keine verbotenen Praktiken
02.08.2025 Pflichten für KI-Modelle mit allgemeinem Verwendungszweck (GPAI, Kapitel V) Qognio setzt ein GPAI-Modell (Qwen 3.5) ein, ist aber Deployer, nicht Provider des Basismodells. Transparenzpflichten für GPAI-Provider greifen
02.08.2026 Hochrisiko-Pflichten (Art. 6–51) gelten KRITISCH: Qognio fällt als Hochrisiko-KI-System unter Anhang III Nr. 4. Alle Anforderungen der Art. 9–17 müssen umgesetzt sein
02.08.2027 Hochrisiko-KI in Produkten (Anhang I) — CE-Kennzeichnung Nicht direkt relevant (Qognio ist kein physisches Produkt)

1.3 Begriffsbestimmungen (Art. 3)

Begriff Definition Qognio-Bezug
KI-System (Art. 3 Nr. 1) Maschinengestütztes System, das so konzipiert ist, dass es mit unterschiedlichem Grad an Autonomie arbeiten kann, das nach seiner Einführung Anpassungsfähigkeit zeigen kann und das aus den erhaltenen Eingaben für explizite oder implizite Ziele ableitet, wie Vorhersagen, Inhalte, Empfehlungen oder Entscheidungen erzeugt werden, die physische oder virtuelle Umgebungen beeinflussen können Qognio ist ein KI-System: Es nutzt ein LLM (Qwen 3.5, 122B Parameter), arbeitet autonom bei der Beantwortung von Anfragen und erzeugt Inhalte und Empfehlungen
Anbieter (Art. 3 Nr. 3) Natürliche oder juristische Person, die ein KI-System entwickelt oder entwickeln lässt und es unter ihrem eigenen Namen oder ihrer Marke in Verkehr bringt oder in Betrieb nimmt fmhconsulting · Qognio ist Anbieter: Die Plattform wird unter der Marke „Qognio” in Verkehr gebracht
Betreiber (Art. 3 Nr. 4) Natürliche oder juristische Person, die ein KI-System in eigener Verantwortung verwendet Kunden von Qognio (Personalabteilungen, HR-Dienstleister) sind Betreiber
Hochrisiko-KI-System (Art. 6) KI-System, das in eine der in Anhang III genannten Kategorien fällt Qognio fällt unter Anhang III Nr. 4 (s. Abschnitt 2)

2. Risikoklassifizierung der Qognio-Systeme

2.1 Einordnung als Hochrisiko-KI-System

Qognio ist ein KI-gestützter Assistent für den Bereich Personalwesen / Human Resources (HR). Die Plattform unterstützt Kunden bei:

Diese Einsatzzwecke fallen unter Anhang III Nr. 4 der KI-Verordnung:

„KI-Systeme, die bestimmungsgemäß für die Einstellung oder Auswahl natürlicher Personen verwendet werden sollen, insbesondere für die Schaltung gezielter Stellenanzeigen, die Analyse oder Filterung von Bewerbungen und die Bewertung von Bewerbern.”

Ferner:

„KI-Systeme, die bestimmungsgemäß für Entscheidungen verwendet werden sollen, die die Bedingungen von Arbeitsverhältnissen, Beförderungsentscheidungen oder Kündigungsentscheidungen beeinflussen oder die Zuweisung von Aufgaben auf der Grundlage des individuellen Verhaltens oder persönlicher Merkmale oder Eigenschaften betreffen.”

2.2 Begründung der Hochrisiko-Einstufung

Kriterium Bewertung
Anhang III Nr. 4 lit. a — Einstellung und Auswahl ✅ Qognio kann zur Unterstützung bei der Sichtung und Analyse von Bewerbungen eingesetzt werden
Anhang III Nr. 4 lit. b — Entscheidungen über Arbeitsverhältnisse ✅ Qognio kann Informationen aufbereiten, die in Personalentscheidungen einfließen
Art. 6 Abs. 3 — Ausnahme „keine erhebliche Gefahr” ❌ Ausnahme greift NICHT: Das System unterstützt Verfahren, die erheblichen Einfluss auf die berufliche Zukunft natürlicher Personen haben können (Bewerbung, Beschäftigung, Beförderung)
Art. 6 Abs. 3 lit. a — Enge Verfahrensaufgabe ❌ Nicht einschlägig: Qognio führt keine rein prozedurale Aufgabe aus (z. B. Sortieren nach Datum), sondern generiert inhaltliche Bewertungen
Art. 6 Abs. 3 lit. b — Verbesserung menschlicher Tätigkeit Teilweise zutreffend, aber nicht hinreichend für eine Rückstufung: Die KI-Ausgaben können die menschliche Entscheidung wesentlich beeinflussen (Automation Bias)

Ergebnis: Qognio ist als Hochrisiko-KI-System nach Art. 6 Abs. 2 i. V. m. Anhang III Nr. 4 AI Act einzustufen.

2.3 Rollen nach AI Act

Rolle Akteur Pflichten
Anbieter (Provider) fmhconsulting · Qognio Alle Pflichten der Art. 9–17, 16, 72 (Registrierung), Konformitätsbewertung, EU-Konformitätserklärung, CE-Kennzeichnung, Post-Market Monitoring
Betreiber (Deployer) Kunden (Personalabteilungen) Art. 26 — Betriebspflichten: Menschliche Aufsicht, Information betroffener Personen, Einhaltung der Gebrauchsanweisung, Datenschutz-Folgenabschätzung
GPAI-Modell-Anbieter Alibaba Cloud (Qwen) Kapitel V, Art. 53 — Transparenzpflichten, technische Dokumentation des Basismodells

2.4 Abgrenzung: Rolle bezüglich des Basismodells

Qognio ist nicht der Anbieter des zugrunde liegenden KI-Modells (Qwen 3.5, 122B Parameter). Qognio setzt dieses Modell als Open-Source-Basismodell auf eigener Infrastruktur ein (Self-Hosted). Die Pflichten des Kapitels V (GPAI-Modelle) treffen den Anbieter des Modells (Alibaba Cloud / Qwen-Team), nicht Qognio.

Qognio ist jedoch Anbieter eines Hochrisiko-KI-Systems, das dieses Basismodell integriert. Damit treffen Qognio die vollen Anbieterpflichten gemäß Art. 16 ff. AI Act für das Gesamtsystem.


3. Anforderungsmatrix Art. 9–17 AI Act

Artikel Anforderung Qognio-Umsetzung Status
Art. 9 Risikomanagement-System Kontinuierliches Risikomanagement mit iterativer Bewertung (Abschnitt 4) 🟡 In Umsetzung
Art. 10 Daten und Daten-Governance Self-Hosted LLM, kein Training mit Kundendaten, Mandantentrennung ✅ Implementiert
Art. 11 Technische Dokumentation Dokumentation gemäß Anhang IV (Abschnitt 5) 🟡 In Umsetzung
Art. 12 Aufzeichnungspflichten (Logging) Vollständiges Audit-Logging aller Konversationen (Abschnitt 6) ✅ Implementiert
Art. 13 Transparenz und Bereitstellung von Informationen Kennzeichnung als KI, Gebrauchsanweisung (Abschnitt 7) 🟡 In Umsetzung
Art. 14 Menschliche Aufsicht Human-in-the-Loop-Konzept, Eskalationsprozesse (Abschnitt 8) ✅ Implementiert
Art. 15 Genauigkeit, Robustheit, Cybersicherheit Qualitätssicherung, Penetration Tests, Monitoring (Abschnitt 9) 🟡 In Umsetzung
Art. 16 Pflichten des Anbieters Gesamtverantwortung, Qualitätsmanagementsystem 🟡 In Umsetzung
Art. 17 Qualitätsmanagementsystem Dokumentiertes QMS mit Prozessen und Verfahren 🟡 In Umsetzung

4. Risikomanagement-System (Art. 9)

4.1 Grundsätze

Gemäß Art. 9 Abs. 1 AI Act wird für Qognio ein Risikomanagement-System eingerichtet, umgesetzt, dokumentiert und aufrechterhalten, das aus einem kontinuierlichen iterativen Prozess besteht, der während des gesamten Lebenszyklus des Hochrisiko-KI-Systems geplant und durchgeführt wird.

4.2 Risikoidentifikation und -analyse (Art. 9 Abs. 2)

Das Risikomanagement-System umfasst:

(a) Identifikation und Analyse bekannter und vernünftigerweise vorhersehbarer Risiken:

Risiko-ID Risiko Betroffene Grundrechte Schwere Wahrscheinlichkeit Risikostufe
RM-01 Diskriminierende Ausgaben bei der Bewerberauswahl Nichtdiskriminierung (Art. 21 GRCh) Sehr hoch Mittel Hoch
RM-02 Fehlerhafte Informationen für Personalentscheidungen Recht auf wirksamen Rechtsbehelf (Art. 47 GRCh) Hoch Mittel Mittel-Hoch
RM-03 Automation Bias — unkritische Übernahme von KI-Empfehlungen Menschenwürde (Art. 1 GRCh) Hoch Hoch Hoch
RM-04 Verletzung des Datenschutzes durch KI-Ausgaben Schutz personenbezogener Daten (Art. 8 GRCh) Hoch Mittel Mittel-Hoch
RM-05 Mangelnde Erklärbarkeit von KI-Entscheidungsunterstützung Recht auf gute Verwaltung (Art. 41 GRCh) Mittel Hoch Mittel
RM-06 Prompt Injection / Manipulation der KI-Ausgaben Integrität des Systems Hoch Mittel Mittel-Hoch

(b) Abschätzung und Bewertung der Risiken bei bestimmungsgemäßer und vernünftigerweise vorhersehbarer Fehlanwendung:

Fehlanwendungsszenario Risiko Gegenmaßnahme
KI wird als alleinige Entscheidungsinstanz bei Einstellungen verwendet Diskriminierung, Verstoß gegen Art. 22 DSGVO Vertragliche Pflicht zur menschlichen Aufsicht, technische Warnhinweise
Eingabe besonderer Kategorien personenbezogener Daten (Gesundheit, Religion) Verletzung Art. 9 DSGVO Input-Filterung, vertragliche Untersagung ohne gesonderte Vereinbarung
Nutzung für Leistungs- oder Verhaltensüberwachung von Beschäftigten Verstoß gegen Betriebsverfassungsrecht, Persönlichkeitsrecht Klare Zweckbeschränkung in der Gebrauchsanweisung, Nutzungsbedingungen
Versuch der Extraktion von Daten anderer Mandanten Verlust der Vertraulichkeit Strikte Mandantentrennung, Prompt-Injection-Schutz

(c) Bewertung weiterer Risiken auf Basis von Post-Market-Monitoring-Daten:

Systematische Auswertung von: - Nutzerfeedback und Beschwerden - Analyse von Fehlerfällen und Edge Cases - Monitoring wissenschaftlicher Literatur zu LLM-Risiken - Austausch mit der KI-Sicherheits-Community

4.3 Risikominderungsmaßnahmen (Art. 9 Abs. 4)

Risiko-ID Maßnahme Verantwortlich Umsetzungsstatus
RM-01 Output-Filterung auf diskriminierende Inhalte; Bias-Testing mit definierten Testsets; Verbot automatisierter Einzelentscheidungen Qognio (Technik) ✅ Filterung implementiert; 🟡 Bias-Testing in Vorbereitung
RM-02 Kennzeichnung aller KI-Ausgaben als unverbindlich; Pflichthinweis auf menschliche Überprüfung; Quellenangaben wo möglich Qognio (Technik) ✅ Implementiert
RM-03 Prominente Warnhinweise; Schulungsmaterial für Betreiber; keine „Entscheidungssprache” in KI-Ausgaben Qognio (Produkt) 🟡 In Umsetzung
RM-04 Mandantentrennung, Kontextfenster-Bereinigung, keine Persistenz im Modell, Löschkonzept Qognio (Technik) ✅ Implementiert
RM-05 Logging aller Interaktionen mit Nachvollziehbarkeit; Erklärungskomponenten in Benutzeroberfläche Qognio (Produkt) 🟡 In Umsetzung
RM-06 Input-/Output-Filterung, System-Prompt-Schutz, Mandantentrennung auf Infrastrukturebene Qognio (Technik) ✅ Implementiert

4.4 Restrisiko-Bewertung (Art. 9 Abs. 5)

Nach Umsetzung aller Maßnahmen wird das verbleibende Gesamtrisiko als akzeptabel bewertet. Die Kombination aus:

reduziert die identifizierten Risiken auf ein Niveau, das mit dem Zweck und dem Nutzen des Systems im Einklang steht.

4.5 Test- und Validierungsmaßnahmen (Art. 9 Abs. 6, 7)

Testverfahren Beschreibung Frequenz
Bias-Testsets Standardisierte Bewerbungsszenarien mit geschützten Merkmalen (Geschlecht, Alter, Herkunft, Behinderung) Quartalsweise
Red Teaming Gezielte Versuche, das System zu manipulieren (Prompt Injection, Jailbreak) Halbjährlich
Funktionale Tests Überprüfung der Ausgabequalität und -korrektheit in HR-Szenarien Bei jedem Release
Regressionstests Sicherstellung, dass Updates keine neuen Risiken einführen Bei jedem Modellwechsel
Stresstest Verhalten unter Überlast und bei ungewöhnlichen Eingaben Quartalsweise

5. Technische Dokumentation (Art. 11, Anhang IV)

5.1 Allgemeine Beschreibung des KI-Systems (Anhang IV Nr. 1)

(a) Bestimmungsgemäße Zweckbestimmung:

Qognio ist eine KI-gestützte Bot-Plattform für den Bereich Personalwesen (HR). Das System unterstützt Personalabteilungen bei der Bearbeitung von Anfragen, der Dokumentengenerierung und der Informationsaufbereitung. Das System trifft keine autonomen Personalentscheidungen — es ist ein Assistenz- und Entscheidungsunterstützungssystem.

(b) Anbieter:

fmhconsulting · Qognio — Finn Malte Hinrichsen, Gärtnerstraße 105, 20253 Hamburg

(c) Version des Systems:

Qognio Platform v1.0 (April 2026)

(d) Interaktion mit Hardware/Software:

Komponente Beschreibung
LLM-Engine Qwen 3.5, 122B Parameter (Alibaba Cloud, Apache 2.0 Lizenz), Self-Hosted
Runtime OpenClaw Bot-Framework, containerisiert (Docker)
Datenbank PostgreSQL, mandantengetrennt
Infrastruktur Dedizierte GPU-Server (8× NVIDIA GPU), Rechenzentrum Schleswig-Holstein
Netzwerk Traefik v3 Reverse Proxy, WireGuard VPN, TLS 1.3
Stromversorgung Grünstrom-Bezug (Herkunftsnachweis-Register „HKN" beim Umweltbundesamt geführt). Aktueller Nachweis auf Anfrage: datenschutz@qognio.com.

(e) Beschreibung der Elemente des KI-Systems und des Entwicklungsprozesses:

Das System besteht aus folgenden Kernkomponenten:

  1. Eingabe-Pipeline: Empfang und Validierung von Nutzereingaben über verschlüsselte Kanäle (HTTPS/TLS 1.3)
  2. Kontextmanagement: Mandantenspezifische Konversationshistorie und Wissensbasis
  3. Input-Filterung: Erkennung und Blockierung von Prompt-Injection-Versuchen und unzulässigen Eingaben
  4. LLM-Inferenz: Verarbeitung der Eingaben durch das Qwen 3.5 Modell auf dedizierter GPU-Hardware
  5. Output-Filterung: Überprüfung der KI-Ausgaben auf Diskriminierung, Vertraulichkeitsverletzungen und Qualität
  6. Ausgabe-Pipeline: Bereitstellung der Antwort an den Nutzer mit Transparenzhinweisen
  7. Logging-System: Unveränderliche Protokollierung aller Ein- und Ausgaben

5.2 Detaillierte Beschreibung der Systemelemente (Anhang IV Nr. 2–5)

(Nr. 2) Entwicklungsmethoden und -schritte:

(Nr. 3) Informationen über die verwendeten Trainings-, Validierungs- und Testdaten:

Qognio führt kein eigenes Training des LLM durch. Das Basismodell (Qwen 3.5) wurde vom Modell-Anbieter (Alibaba Cloud) trainiert. Qognio nutzt das Modell ausschließlich zur Inferenz.

Validierungs- und Testdaten für das Gesamtsystem: - Synthetische HR-Testszenarien (keine echten Personendaten) - Standardisierte Bias-Testsets mit geschützten Merkmalen (AGG) - Red-Teaming-Szenarien für Prompt-Injection und Sicherheitstests

(Nr. 4) Bewertung der Leistung des Systems:

Metrik Beschreibung Zielwert
Antwortrelevanz Prozentsatz relevanter und korrekter Antworten auf HR-Anfragen ≥ 90 %
Bias-Score Abweichung in der Behandlung geschützter Gruppen (Gender Bias, Altersbias) < 5 % Differenz
Prompt-Injection-Resistenz Erfolgsrate der Abwehr manipulativer Eingaben ≥ 95 %
Verfügbarkeit Systemverfügbarkeit (Uptime) ≥ 99,5 %
Antwortzeit Median der Antwortlatenz < 10 Sekunden

(Nr. 5) Cybersicherheitsmaßnahmen:

Siehe TOMs (Anlage 1 zum AVV), insbesondere: - TLS 1.3, WireGuard VPN, LUKS Full-Disk Encryption - MFA für administrative Zugänge - fail2ban, Netzwerksegmentierung - Regelmäßige Sicherheits-Updates und Penetration Tests

5.3 Beschreibung des Monitoring-Systems (Anhang IV Nr. 6)

Siehe Abschnitt 11 (Post-Market Monitoring).

5.4 Gebrauchsanweisung (Anhang IV Nr. 7)

Siehe Abschnitt 7 (Transparenzpflichten).


6. Logging und Nachvollziehbarkeit (Art. 12)

6.1 Automatische Aufzeichnungsfunktionen

Gemäß Art. 12 AI Act verfügt Qognio über automatische Aufzeichnungsfunktionen (Logging), die folgende Ereignisse erfassen:

Log-Kategorie Erfasste Daten Speicherdauer
Konversationslogs Vollständiger Verlauf aller Eingaben (Prompts) und Ausgaben (Responses) des KI-Systems, mandantengetrennt 90 Tage (anpassbar gemäß Löschkonzept)
Nutzungslogs Zeitstempel, Nutzerkennung (pseudonymisiert), Session-ID, Kanal (Chat/API) 180 Tage
Systemlogs Modellversion, Konfigurationsänderungen, Fehlermeldungen, Performance-Metriken 180 Tage
Administrative Logs Zugriffe auf Kundendaten durch Administratoren, Konfigurationsänderungen 365 Tage
Sicherheitslogs Fehlgeschlagene Anmeldeversuche, blockierte Prompt-Injections, Anomalien 365 Tage
Audit-Trail Mandanten-Erstellung/-Löschung, Berechtigungsänderungen, Datenexporte 365 Tage

6.2 Rückverfolgbarkeit (Art. 12 Abs. 2, 3)

Die Logging-Funktionen ermöglichen:

6.3 Technische Implementierung


7. Transparenzpflichten (Art. 13)

7.1 Transparenz gegenüber Betreibern (Art. 13 Abs. 1)

Qognio wird so konzipiert und entwickelt, dass die Betreiber (Kunden) den Betrieb des Systems interpretieren und es angemessen nutzen können. Zu diesem Zweck stellt Qognio folgende Informationen in einer Gebrauchsanweisung bereit:

(a) Identität und Kontaktdaten des Anbieters:

(b) Merkmale, Fähigkeiten und Leistungsgrenzen des KI-Systems:

(c) Änderungen am System und seiner Leistung:

Qognio informiert Betreiber über wesentliche Änderungen (neue Modellversionen, Policy-Updates, Sicherheits-Patches) mindestens 7 Tage vor Rollout per E-Mail und im Kundenportal. Sicherheits-Notfallpatches können ohne Vorankündigung erfolgen, werden aber unverzüglich nachdokumentiert.

(d) Menschliche Aufsichtsmaßnahmen:

Siehe Abschnitt 8 dieses Dokuments. Kernpflicht des Betreibers: Jede KI-Ausgabe, die in eine arbeits-, vertrags- oder verwaltungsrechtliche Entscheidung einfließt, muss durch eine natürliche Person final freigegeben werden (Human-in-the-Loop).

(e) Erforderliche Rechen- und Hardware-Ressourcen, erwartete Lebensdauer:

(f) Mechanismen zur Sammlung und Pflege der Trainingsdaten:

Qognio trainiert keine eigenen Modelle. Basismodelle werden von Dritten bezogen: - Qwen-Familie: Alibaba Cloud (Apache-2.0 Lizenz), Trainingsmethodologie dokumentiert unter qwenlm.github.io - GPT-OSS: OpenAI (Apache-2.0), Training Card im Hugging-Face-Repository - Granite: IBM (Apache-2.0), Foundation Model Transparency Index Score verfügbar - MiniMax: MiniMax (Custom OSS License)

Qognio-seitige Anpassungen erfolgen ausschließlich durch Prompt-Engineering und RAG (Retrieval-Augmented Generation), nicht durch Weitertrainieren. Kundendaten werden nicht in Trainingsdaten eingeschleust.

(g) Mensch-Maschine-Schnittstelle:

Alle Ausgaben werden klar als KI-generiert gekennzeichnet (z.B. Avatar „Qognio Bot”, Disclaimer-Zeile in Chat-Antworten).

(h) Einschränkungen zulässiger Nutzung (Prohibited Uses):

Gemäß Vertrag (AGB / AVV) ist die Nutzung von Qognio untersagt für: - Social Scoring natürlicher Personen (Art. 5 Abs. 1 lit. c AI Act) - Biometrische Echtzeit-Fernidentifikation in öffentlich zugänglichen Räumen (Art. 5 Abs. 1 lit. h) - Manipulative oder irreführende Techniken zur Verhaltensbeeinflussung (Art. 5 Abs. 1 lit. a) - Generierung von Inhalten, die auf Täuschung natürlicher Personen abzielen (z.B. Deepfakes ohne Kennzeichnung) - Waffenentwicklung, Kriegsverbrechen, Terrorismus

Bei Verstößen gegen diese Nutzungsbedingungen ist Qognio berechtigt, den Dienst unverzüglich zu kündigen (§ 11 AGB).

7.2 Kennzeichnungspflicht (Art. 50 Abs. 1)

Jede Interaktion mit dem Bot wird für den Endnutzer als KI-basiert erkennbar gemacht: - Erstmaliger Chat-Start: expliziter Hinweis „Sie chatten mit einer KI. Aussagen können fehlerhaft sein.” - Bot-Avatar und Bot-Name enthalten den Hinweis „KI” oder ein eindeutiges KI-Icon - In generierten E-Mails/PDFs: Fußzeile „Erstellt mit Unterstützung durch Qognio AI”


8. Menschliche Aufsicht (Art. 14)

8.1 Aufsichtskonzept

Qognio stellt sicher, dass das Hochrisiko-KI-System während der gesamten Einsatzdauer wirksam durch natürliche Personen beaufsichtigt werden kann (Art. 14 Abs. 1).

8.2 Maßnahmen zur Ermöglichung der menschlichen Aufsicht (Art. 14 Abs. 3, 4)

Technisch in das System eingebaut:

Maßnahme Umsetzung
Verständliche Darstellung der Ausgaben Strukturierte Antworten mit Quellenangaben (bei RAG) und Konfidenz-Hinweis bei unklaren Fällen
Stop-Button Admin-Oberfläche zur sofortigen Deaktivierung des Bots oder einzelner Kanäle („Kill Switch”)
Erklärbarkeit Jede Antwort enthält auf Anfrage die verwendeten Quellen-Dokumente (RAG-Context) und das angefragte Modell
Override-Mechanismus Betreiber können Antworten manuell korrigieren, bevor sie an Endnutzer gehen (Review-Queue verfügbar ab Tarif Business)
Audit-Log Alle Nutzerinteraktionen werden mit Zeitstempel, Nutzer-ID, Eingabe, Ausgabe und Modellversion protokolliert (siehe Abschnitt 6)
Automation-Bias-Warnung Bei identischer Bestätigung von >10 aufeinanderfolgenden KI-Vorschlägen durch denselben Sachbearbeiter: Hinweistext „Bitte prüfen Sie, ob Ihre Überprüfung weiterhin kritisch erfolgt”

Durch Schulung und Dokumentation:

8.3 Kompetenzanforderungen an Aufsichtspersonen (Art. 14 Abs. 4 lit. a)

Der Betreiber bestimmt mindestens eine AI-Act-Aufsichtsperson pro Tenant, die: - Grundkenntnisse der Funktionsweise generativer KI besitzt (Qognio stellt 4h-Schulung bereit) - Bias- und Halluzinationsmuster erkennt - Befugt ist, den Dienst zu pausieren oder Ausgaben zu overruling - Dokumentationspflichten nach DSGVO und AI Act kennt

8.4 Vier-Augen-Prinzip für kritische Entscheidungen

Für rechtlich bindende Entscheidungen, die auf KI-Ausgaben beruhen (z.B. Ablehnung eines Bewerbers, Disziplinarmaßnahme, Vertragskündigung), gilt im Qognio-Kontext das Vier-Augen-Prinzip: Die KI-Ausgabe wird als Vorschlag dokumentiert, die finale Entscheidung trifft eine natürliche Person, und eine zweite Person (z.B. Teamlead, Compliance) muss die menschliche Entscheidung gegenzeichnen.


9. Genauigkeit, Robustheit und Cybersicherheit (Art. 15)

9.1 Genauigkeitsziele

Qognio dokumentiert die erwartete Genauigkeit der eingesetzten Modelle für die relevanten HR-Use-Cases:

Aufgabentyp Metrik Zielwert Messverfahren
FAQ-Beantwortung (interne Richtlinien) Top-1-Trefferquote ≥ 90 % Monatliches Kundentest-Sample, n=100
Kandidatenvorauswahl (Vor-Filter) Precision / Recall ≥ 85 % / ≥ 80 % Quartalsweiser Audit durch Kunden-HR
Compliance-Recherche Sachliche Korrektheit (Expertenreview) ≥ 95 % Quartalsweises externes Legal-Review-Sample
Dokumenten-Zusammenfassung ROUGE-L-Score vs. Referenz ≥ 0,70 Automatisiert, kontinuierlich

Abweichungen > 10 % vom Zielwert triggern einen Model-Review-Prozess (Retraining-Prompt, RAG-Index-Update oder Modellwechsel).

9.2 Robustheit (Art. 15 Abs. 3)

9.3 Bias und Fairness

9.4 Cybersicherheit (Art. 15 Abs. 5)

Siehe Anlage TOMs (Dokument 02) für vollständige Maßnahmen. Relevante KI-spezifische Kontrollen:

9.5 Logging von Genauigkeits-Abweichungen

Vorfälle, bei denen ein System hinter dem dokumentierten Genauigkeitsziel zurückbleibt, werden im Audit-Log als „Performance-Anomalie” eingetragen und sind bis zur Behebung nachverfolgbar.


10. Konformitätsbewertung und Registrierung (Art. 16, 43, 47, 49)

10.1 Bewertungsverfahren

Qognio wählt für das Hochrisiko-System Anhang III Nr. 4 (HR) das Konformitätsbewertungsverfahren nach Anhang VI (interne Kontrolle) gemäß Art. 43 Abs. 1 lit. a AI Act. Eine Einschaltung einer Notifizierten Stelle ist für diesen Anwendungsbereich nicht verpflichtend, sofern harmonisierte Normen angewendet werden (Stand April 2026 stehen harmonisierte Normen für Anhang III Nr. 4 in Entwicklung).

10.2 Qualitätsmanagementsystem (Art. 17)

Qognio unterhält ein dokumentiertes Qualitätsmanagementsystem (QMS), das Folgendes abdeckt:

10.3 Technische Dokumentation (Art. 11 + Anhang IV)

Die vollständige technische Dokumentation gemäß Anhang IV wird als „Technical File” geführt und enthält:

Die Technical File wird für 10 Jahre nach Inverkehrbringen aufbewahrt (Art. 18 AI Act).

10.4 EU-Konformitätserklärung (Art. 47)

Vor Inverkehrbringen erstellt Qognio eine EU-Konformitätserklärung (EU Declaration of Conformity), die Folgendes enthält:

Die Konformitätserklärung wird den Betreibern vor Vertragsabschluss zugänglich gemacht und ist im Kundenportal herunterladbar.

10.5 CE-Kennzeichnung (Art. 48)

Da Qognio als reines Software-System (SaaS) bereitgestellt wird, erfolgt die CE-Kennzeichnung durch elektronische Kennzeichnung auf der Produktwebseite und in der technischen Dokumentation. Eine physische Kennzeichnung ist nicht anwendbar.

10.6 Registrierung in der EU-Datenbank (Art. 49, 71)

Vor Inverkehrbringen wird Qognio sich bzw. das Hochrisiko-KI-System in der EU-Datenbank für Hochrisiko-KI-Systeme (zentrale Datenbank der EU-Kommission) registrieren. Die Registrierung umfasst die in Anhang VIII genannten Informationen. Stand April 2026: Die Datenbank wird voraussichtlich zum 02.08.2026 in Betrieb genommen.


11. Beobachtung nach dem Inverkehrbringen (Art. 72, 73)

11.1 Post-Market-Monitoring-System (Art. 72)

Qognio hat ein dokumentiertes Post-Market-Monitoring-System etabliert, das Daten zur Leistung des KI-Systems systematisch und aktiv sammelt, dokumentiert und analysiert:

Datenquellen:

Quelle Inhalt Frequenz
Audit-Log (Art. 12) Alle Inputs/Outputs, Fehler, Modellaufrufe Kontinuierlich
Performance-Telemetrie Latenz, Durchsatz, Verfügbarkeit je Modell Minütlich
Kundenfeedback „Daumen hoch/runter” in Chat-UI, Support-Tickets Laufend
Regressions-Tests Monatlicher Test-Run gegen Golden-Sample-Set Monatlich
Drift-Detection Statistische Analyse der Input-/Output-Verteilungen vs. Referenzverteilung Wöchentlich
Incident-Meldungen Interne und Kunden-gemeldete Vorfälle Laufend

Auswertung:

Korrekturmaßnahmen (Art. 20):

11.2 Meldung schwerwiegender Vorfälle (Art. 73)

Definition: Ein „schwerwiegender Vorfall” (Serious Incident) liegt vor, wenn das KI-System

Meldefrist: Qognio meldet schwerwiegende Vorfälle der zuständigen Marktüberwachungsbehörde

Verfahren:

Der Incident-Response-Plan (Dokument 06) wird in der Version ab Q2/2026 um einen AI-Act-spezifischen Annex erweitert, der die Meldekette, Templates und Zeitlimits operationalisiert.

11.3 Zusammenarbeit mit Behörden (Art. 74)

Qognio kooperiert vollumfänglich mit zuständigen Behörden der EU-Mitgliedstaaten, insbesondere:


12. Handlungsplan zur AI-Act-Konformität bis 02.08.2026

Zeitplan der offenen Umsetzungsschritte, gemäß AI Act Geltungsbeginn für Hochrisiko-KI-Systeme:

Nr. Maßnahme Verantwortlich Frist Status (04/2026)
1 Risikomanagementsystem vollständig dokumentieren (Art. 9) — insb. iterativer Review-Prozess Inhaber 31.05.2026 🟡 in Umsetzung
2 Daten-Governance-Verfahren formalisieren (Art. 10) — Kriterien für RAG-Korpora, Repräsentativität Inhaber 31.05.2026 🟡 in Umsetzung
3 Technical File vollständig erstellen (Art. 11 + Anhang IV) Inhaber 30.06.2026 🟡 in Umsetzung
4 Logging-System auf vollständige Anhang-IV-Konformität bringen (Art. 12) Inhaber 30.06.2026 🟢 implementiert, Audit steht aus
5 Gebrauchsanweisung (Art. 13) für Betreiber fertigstellen und in Kundenportal einbetten Inhaber 31.05.2026 🟡 in Umsetzung (Abschnitt 7 dieses Doks = Basis)
6 Menschliche Aufsichts-Schulungsmaterial (Art. 14) publizieren Inhaber 30.06.2026 🟡 in Umsetzung
7 Genauigkeits-/Robustheits-/Cybersicherheits-Metriken (Art. 15) monatliche Berichte etablieren Inhaber 30.06.2026 🟡 in Umsetzung
8 Qualitätsmanagementsystem (Art. 17) formalisieren und intern auditieren Inhaber 15.07.2026 🟡 in Umsetzung
9 Interne Konformitätsbewertung nach Anhang VI durchführen Inhaber 25.07.2026 🔴 offen
10 EU-Konformitätserklärung (Art. 47) erstellen und im Kundenportal bereitstellen Inhaber 30.07.2026 🔴 offen
11 Registrierung in EU-Datenbank für Hochrisiko-KI-Systeme (Art. 49, 71) Inhaber 02.08.2026 🔴 offen (abhängig von Datenbank-Verfügbarkeit)
12 Post-Market-Monitoring-Bericht-Template (Art. 72) finalisieren und quartalsweise veröffentlichen Inhaber 02.08.2026 🟡 in Umsetzung
13 IRP-Annex „Schwerwiegende Vorfälle gemäß Art. 73 AI Act” ergänzen Inhaber 15.07.2026 🔴 offen

Review-Rhythmus: Dieser Handlungsplan wird monatlich durch den Inhaber aktualisiert. Abweichungen werden im Audit-Log dokumentiert.


13. Freigabe

Stand: April 2026 Verantwortlicher nach AI Act: Finn Malte Hinrichsen, fmhconsulting · Qognio, Gärtnerstraße 105, 20253 Hamburg Nächste Überprüfung: spätestens 31.10.2026 (halbjährlich) und anlassbezogen bei Gesetzes- oder Produktänderungen

Dieses Dokument ist Teil der technischen Dokumentation gemäß Art. 11 AI Act i.V.m. Anhang IV und wird für mindestens 10 Jahre nach Inverkehrbringen aufbewahrt.